Hund anschaffen: Züchter oder Tierschutz?

Hund anschaffen: Züchter oder Tierschutz?

Vom Züchter oder aus dem Tierschutz den Hund holen?

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Wer sich einmal entschlossen hat einen Hund anzuschaffen, der steht vor einer Menge Fragen. Unter anderem sollte jeder für sich selber entscheiden, ob er einem Tier ein zu Hause bietet, welches aus dem Tierschutz kommt, oder ob er sich eines von einem seriösen (!) Züchter anschafft.

Ein generelles „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es nicht (auch, wenn viele gebetsmühlenartig Anderes behaupten) – die Entscheidung ist von jeder Person einzeln abhängig und vor allem an viele Faktoren gekoppelt. Damit ihr bei eurer Entscheidung genau überlegt und die Möglichkeit habt, euch selber eine Meinung zu bilden, werde ich hier einmal zwei Standpunkte darstellen: Einmal von mir – die ihren Hund vom Züchter hat – und einmal von einer sehr lieben, ehemaligen Arbeitskollegin, deren Engagement im Tierschutz ich seit langem bewundere.

Pro Tierschutz

Liebe Sarah,
zunächst einmal freue ich mich, dass ihr euch entschieden habt einem kleinen Vierbeiner ein neues zu Hause zu schenken, egal ob vom Züchter oder aus dem Tierschutz. Und ich freue mich sehr über deine Einladung, dir ein paar meiner Erfahrungswerte zum Thema Tierschutz und Adoption von Tierschutzhunden zu schreiben.

Seit vielen Jahren nun (eigentlich schon immer) adoptieren meine Familie und ich, sowie auch sämtliche Hundebesitzer unseres Bekanntenkreises, Hunde, die durch Tierschutzvereine vermittelt werden. Dies betrifft sowohl Tiere, die aus dem Ausland kamen, als auch deutsche Vierbeiner. Meine Erfahrungen mit Tierschutzvereinen sind bisher durchweg positiv (und ich hatte schon mit einigen zu tun). Besonders toll war der Umgang mit dem TSV Neuss (http://www.tsv-neuss.de/). Hierüber haben wir unseren aktuellen Schützling Maja, eine Mischlingshündin aus Polen.
Wir waren auf der Suche nach einem mittelgroßen Hund für meinen Papa. Da wir auf der Internetseite des TSV Neuss nicht gleich fündig wurden, haben wir uns einfach mit dem Verein in Verbindung gesetzt. Sie haben uns dann direkt einige (durchaus kritische) Fragen gestellt und unsere Beweggründe einen Hund aufzunehmen hinterfragt, denn sie vermitteln gewiss nicht blind irgendwelche Tiere in irgendeine Familie. Dies ist ein gutes Zeichen, denn dem Verein ist es wichtig, dass sowohl Mensch als auch Tier mit der neuen Familie / dem neuen Zuwachs glücklich sind und das Tier nicht sofort wieder abgegeben wird. Uns wurden dann ganz unkompliziert einige Tiere genannt, die zu unseren „Wünschen“ passten. Die meisten, die wir uns zu dieser Zeit angeschaut haben, stammten aus dem Ausland und warteten zu dieser hier in deutschen Pflegefamilien auf ein eigenes zu Hause. Auch der Kontakt mit den Pflegefamilien war stets sehr nett und unkompliziert. Wir haben uns verschiedene Hunde angeschaut und uns schließlich für Maja entschieden, weil bei ihr die Harmonie von vornherein unheimlich gestimmt hat. Besonders die Pflegemama von unserer Maja ist uns in guter Erinnerung geblieben. Eine ganz tolle Frau, die ihr Heim mit einigen eigenen Vierbeinern und Pflegehunden teilt.

Unsere Maja stammt ursprünglich aus Polen. Der TSV Neuss arbeitet zusammen mit einem polnischen Shelter und holt aus diesem Tiere nach Deutschland, die besonders mit der Situation im Tierheim nicht zurechtkommen und leiden. So ging es auch Maja. Sie wurde dann nach Deutschland gebracht (von Polen aus lassen sich aufgrund der geringen Entfernung relativ einfach Transporte nach Deutschland organisieren), wo ihre Pflegefamilie schon auf sie wartete. Grundsätzlich werden, von welchem TSV auch immer, nur Tiere in die EU / nach Deutschland geholt, auf die hier ein (zumindest vorübergehendes) zu Hause wartet. Ohne eine Unterkunft, wird kein Hund hierher geholt – die Einreise von ausländischen Tieren geschieht also nicht willkürlich.
Wir sind mit unserer Entscheidung einen Tierschutzhund zu adoptieren mehr als glücklich. Wir können nur bestätigen, dass Hunde, die in ihrem bisherigen Leben vielleicht schon einiges mitmachen mussten (besonders im Ausland, wo Tiere noch weniger wert sind als Müll) oder eben nicht so ein Glück hatten „behütet“ aufzuwachsen, einfach nur dankbar und treu Begleiter sind. Und egal, ob Rassehund oder Mischling, Ausland oder Deutschland, Züchter oder TSV: Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter, die einen mehr, die anderen weniger. Einige Charakterzüge sind mehr ausgeprägt, andere zeigen sich weniger. Unserer Erfahrung nach sind diese nicht 100%ig auf die Rasse oder die Herkunft zurückzuführen. Wir hatten schon so ziemlich jede Rasse/Herkunft von Hund bei uns in der Familie. Einige sind sehr alt geworden, andere wurden krank und wir mussten sie eher gehen lassen. So spielt leider das Leben. Wir können nicht bestätigen, dass Rassehunde weniger schnell erkranken, als Mischlinge oder Hunde von anderer Herkunft. Mein Fazit hierzu ist, dass man nie vorher weiß, was man bekommt. Egal woher und egal welche Rasse. Dies beziehe ich sowohl auf den Charakter, als auch auf den Gesundheitszustand.

Und allen, die der Meinung sind, dass man lieber Hunde aus dem eigenen Land bevorzugen sollte, kann ich nur raten sich einmal die Tierschutzsituation im Ausland anzusehen. Eine ausländische Auffangstation ist in keinster Weise mit einem deutschen Tierheim zu vergleichen. Ich habe beides schon mehrfach und in verschiedenen Ländern gesehen und kann nur sagen es ist kein Zuckerschlecken, was sich im Ausland abspielt. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die sich für Straßenhunde im Ausland einsetzen, sie kämpfen oft gegen Windmühlen und müssen Nerven aus Stahl haben. Ein Tierheim ist nie mit einem echten zu Hause zu vergleichen, aber die Pflegehunde in deutschen Tierheimen haben es im Vergleich schon sehr gut. Sie werden rundum (medizinisch) ver- und umsorgt, so gut dies in einer großen Anlage möglich ist.

Und alle, die gerne etwas dazu beitragen wollen, dass ausländischen Tieren geholfen wird, brauchen gar nicht großartig Geld oder Zeit aufwenden. Unter www.flugpate.com kann man sich ganz einfach vor dem nächsten Urlaub unverbindlich als Flugpate eintragen und Tiere, auf die hier schon ein zu Hause oder eine Pflegestelle wartet, mit nach Deutschland fliegen. Hierzu hole ich nicht weiter aus, alle Infos gibt es auf der genannten Seite oder unter bei Google.

Mein bzw. unser Fazit lautet: Nein zu Züchtern, denn es sollten erstmal alle Tiere, die es schon gibt, ein zu Hause haben. Die Rassetiere sind oft einfach nur überzüchtete Massenware und Geldmacherei ihrer Erzeuger. Wir würden und werden immer wieder Tiere vom Tierschutz und aus dem Ausland adoptieren und ihnen bis zu ihrem Lebensende ein zu Hause sein!

Pro Züchter

Wie bereits erwähnt, ist hier nur der verantwortungsvolle, seriöse Züchter gemeint und streng von sogenannten „Vermehrern“ abzugrenzen. Wie man die beiden unterscheidet (dies ist für einen Laien oft viel schwerer, als man annehmen mag!), kann ich gerne noch einmal in einem gesonderten Artikel erklären.

Kommen wir aber zu meinem Punkt, warum es für mich ein Züchterhund wurde. Hauptsächlich war es die Sicherheit, die diese Möglichkeit bietet.
Seriöse Züchter achten darauf, dass ihre Tiere so gesund wie möglich sind. Elterntiere werden auf genetische Erbkrankheiten untersucht und sehen regelmäßig einen Tierarzt. Sie sind rundum gesund – ansonsten wird nicht mit ihnen gezüchtet. Keine Kompromisse. Dies minimiert das Risiko, dass die Welpen später erkranken und im schlimmsten Falle ein eingeschränktes Leben führen. Eine Garantie gibt es natürlich trotzdem nicht – aber man setzt hier zumindest einen Grundstein.

Abgesehen von der körperlichen Gesundheit, gibt es aber auch vor allem die psychische, die nicht unwichtig ist. Gute Züchter sozialisieren ihre Welpen ausreichend. Sie sind mindestens bis zur 8., besser sogar 10. oder in Einzelfällen sogar 12. Woche bei ihrer Mutter und lernen den Umgang mit ihren Geschwistern und anderen (adulten) Hunden kennen. Sie lernen, sich wie ein Hund auszudrücken und zu verhalten – die Hundesprache richtig zu sprechen. Unerlässlich dafür, dass sie später keine Angstneurosen, Aggressivität oder andere Ticks entwickeln und ein unbescholtenes Leben führen können. Bei einem guten Züchter werden die Welpen außerdem schon auf die Außenwelt vorbereitet: Staubsauger, Kinder, andere Tiere, erwachsene Menschen, Autos, Tierarzt… sie sollten all dies bereits in der kritischen Phase der Prägung (bis zur 8. Lebenswoche) und der Sozialisierung (bis zur 16. Woche) kennenlernen und damit umzugehen wissen. Ohne diese Erfahrungen werden sie später Probleme haben, sich an das Leben mit Menschen stressfrei anzupassen.

Oft sieht man Hunde, die beim Gassigehen andere Hunde anfallen. Man hört von schlimmen Fällen unsozialisierter Hunde und sieht nicht zuletzt auch immer wieder Sendungen wie die von Cesar Millan, in der Menschen sich früh Welpen zugelegt, diese eventuell noch gar nicht die nötigen Lernprozesse hinter sich gebracht haben, um später ein entspannter, glücklicher Hund zu werden. Wobei natürlich auch immer die Besitzer in den Wochen nachdem der Welpe einzieht noch die Verantwortung für die weitere Sozialisierung tragen – diese geht, wie gesagt, ca. bis zur 16. Lebenswoche und alles, was ein Welpe in dieser Zeit kennenlernt, nimmt er unvoreingenommen wahr und kann es leichter verarbeiten.

Wir hätten also für den Welpen eines Züchters a) bestmögliche körperliche Gesundheit und b) bestmögliche Sozialisierung und somit psychische Gesundheit.
Was für Vorteile gibt es noch?

Ganz einfach fachliche Kompetenz. Immer wieder höre ich Beschwerden darüber, dass gezüchtete Hunde „unnatürlich“ und deshalb „krank“ seien. Aber brechen wir es doch einmal auf die wesentlichen Tatsachen zurück: HUNDE sind eine Spezies, die es ohne den Menschen nicht geben würde. Wir haben sie künstlich geschaffen, indem wir den Wolf domestizierten und spezielle Eigenschaften herauszüchteten: Verträglichkeit, Gehorsam, Jagdtrieb, Beschützerinstinkt,… und ja, auch Aussehen.

Es gibt somit keine „Rasse“ und „Nicht-Rasse“- Hunde. Alle wurden künstlich durch Selektion des Menschen geschaffen – mache nur deutlich stärker verändert gezüchtet. Dies beinhaltet das Problem der „Überzüchtung“ einiger Rassen, die so lange mit einem kleinen Genpool gezüchtet wurden, dass die mittlerweile geborenen Hunde gesundheitlich kein gutes Leben mehr führen können. In Europa trifft dies immer häufiger auf Englische Bulldoggen, Chihuahuas, Golden Retriever und ja, auch französische Bulldoggen zu. Deshalb braucht es die Expertise eines Züchters, der verantwortungsvoll Nachwuchs in die Welt setzt und darauf bedacht ist, nicht dem Aussehen, sondern der Gesundheit zuliebe zu züchten.

Warum dann überhaupt noch diese Rassen züchten, werden sich viele fragen. Na, weil eine bestimmte Rasse nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern vorranging auch ihren Eigenschaften nach gezüchtet wird.

Französische Bulldoggen beispielsweise haben kaum Jagdtrieb, sind keine Hütehunde und keine Bewegungsjunkies. Vergleicht man dies mit einem Rhodesian Ridgeback, so wird deutlich, wo hier der Unterschied liegt. Wer entweder seinen Hund nicht jagen lassen kann oder will, sich aber einen mit starkem Jagdtrieb zulegt, der hält sein Tier nicht artgerecht. Nimmt man einen Mischling auf, so hat man unter Umständen eine bunte Überraschungstüte und weiß nicht so recht, ob man den Bedürfnissen des Hundes überhaupt gerecht werden kann.

Ein Züchter steht somit auch dem potentiellen Käufer beratend zur Seite. Er informiert sich über die Lebensverhältnisse des Interessenten, fragt, welche Möglichkeiten er dem Hund bieten kann und stellt sicher, dass die Rasse auch zum Charakter des Käufers passt. Ein guter Züchter hätte mir zum Beispiel immer von einem Husky abgeraten bzw. mir gar nicht erst einen verkauft, weil ich ihm nie, nie, nie ausreichend Bewegung und Beschäftigung bieten könnte. Hätte ich nun einen Mischling erwischt, in dem sich ein paar Husky-Gene (oder einer ähnlich bewegungsfreudigen Rasse) festgesetzt haben, hätten wir beide ein Problem, unter dem im Zweifel der Hund mehr leiden würde als ich. Aber nicht nur was die Rasse betrifft, berät der Züchter, sondern auch, was das einzelne Tier angeht. Der Kaufinteressent ist sehr ruhig und eher zurückhaltend? Er sollte vielleicht nicht den selbstbewusstesten und frechsten Welpen des Wurfes an sich nehmen – immerhin haben auch alle Tiere ihre eigene Energie und ihren eigenen Charakter.

Davon abgesehen stehen Züchter auch nach dem abgeschlossenen Verkauf mit Rat und Tat zur Seite. Ob es um Futterfragen, Erziehungsprobleme oder gesundheitliche Ratschläge geht: Er wird helfen und somit gerade Ersthundehaltern eine große Stütze sein.

Man mag es also als faul bezeichnen, sich einen möglichst unbelasteten Hund anschaffen zu wollen, dessen „Macken“ aka. Eigenarten man schon im Vorfeld kennt. Man kann es aber auch verantwortungsvoll im Rahmen der Möglichkeiten nennen, die einem geboten sind. Viele Hunde landen doch erst im Tierheim oder müssen vom Tierschutz gerettet werden, weil die Besitzer vorher nicht gut beraten wurden und nicht wussten, worauf sie sich einlassen. Sie haben den „süßen Welpen“ geholt und waren überfordert – auf Kosten des Tieres, das im schlimmsten Fall sein Leben lang kein normales und glückliches Leben mehr führen kann. Das möchte ich meinem Hund ersparen und ihm ein Leben bieten können, das ihn zufrieden macht. Daher wurde es für mich der Hund vom Züchter, den ich als Ersthundehalter so gut wie möglich vorher einschätzen konnte.

An alle, die schon einen Hund haben: Woher stammt euer Liebling? Und an alle Interessenten: Habt ihr euch schon mit der Frage Züchter vs. Tierschutz auseinander gesetzt?

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Mein herzlicher Dank auch noch einmal an Vanessa H., die hier so verständlich und ausführlich die Argumente für einen Hund aus dem Tierschutz dargelegt hat!

1 Comment
  • Tamara
    Posted at 17:52h, 09 Juni Antworten

    Der Post ist so unglaublich toll geworden! Die Sache mit der Selektion ist einfach wahr, da stimme ich dir vollkommen zu, und anders ist es auch nicht.
    Wir haben eine deutsche Dogge, sie kam ebenfalls vom Züchter zu uns nach Hause. Ich weiß noch, wie mir meine Mutter erzählte, dass deutsche Doggen sehr anfällig auf Herzkrankheiten sind und oft nicht lange leben, und dass die Hunde beim Züchter wirklich sehr oft untersucht werden etc. Als unsere Gria kurz vor dem ausgewachsen-sein war, meinte der Züchter, dass sie viel kleiner ist als erwartet, da ihre Eltern um einiges größer waren. Sie ist schon sehr groß, aber nicht so groß wie die anderen. Es passt zu ihr! Da sieht man aber auch, dass es trotz Zucht auch mal zu „Überraschungen“ kommen kann. Beispielsweise hat sie auch keinen weißen Fleck auf der Brust, wie die anderen.
    Sie kam vom Züchter, weil sich meine Mama unbedingt eine Dogge gewünscht hat. Mein Freund und ich werden uns zu 100% einen Hund aus dem Tierschutz nehmen, weil wir auch der Meinung sind, dass es so viele Hunde gibt, die sehnsüchtig auf ein zu Hause warten, und auf Menschen, die sie aufnahmen und sie lieben!

    Liebe Grüße,
    Tamara | brunettemanners

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