Gründe am Leben zu bleiben

Gründe am Leben zu bleiben

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

Es gibt Themen, sind allgegenwärtig und werden doch nicht laut angesprochen. Nicht oft genug zumindest. Nicht mit der nötigen Selbstverständlichkeit. Daher war ich auch sehr neugierig, als der dtv auf mich zu trat und fragte, ob ich Lust hätte das neue Buch von Matt Haig zu lesen.

Klar!

Worum geht’s?

Matt Haig schreibt in seinem neuen Buch endlich über das Thema, das er bis dahin nur unterschwellig, aber doch immer gegenwärtig thematisiert hat: Die Depression. Um genau zu sein sogar um seine eigenen Depressionen und die Angststörung, die ihn seit seinem 24. Lebensjahr begleiten. Eine explosive Mischung, die ihn an den Abgrund führte – und mit der er gelernt hat zu leben. „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ ist kein reiner Ratgeber und keine reine Autobiografie. Es ist ein Buch, das schonungslos deutlich macht, was Depressionen sind und was mindestens genau so viel Mut macht, denn es zeigt, dass man immer wieder aufstehen und weitermachen kann – und dass es wirklich verdammt gute Gründe gibt, um am leben zu bleiben.

am leben bleiben

Was macht das Buch besonders?

Ich war beim Lesen sehr beeindruckt davon, wie ehrlich und offen Matt Haig mit der Depression umgeht. Nicht beeindruckt, weil es ein Tabuthema ist (was es leider noch ist, aber nicht sein sollte und müsste), sondern weil er beeindruckender weise genau die richtigen Worte findet, um eine perfekte Beschreibung abzuliefern. Er trifft mit jedem Wort ins Schwarze und beschreibt nicht nur, wie eine Depression sich für ihn geistig, sondern auch körperlich anfühlt. Immer wieder werden zwischen den Kapiteln kurze Einwürfe eingebracht, die aus Listen bestehen und ganz nüchtern aufzählen, was Depressionen ausmacht. Was denkt man in einer depressiven Episode? Was fühlt man? Gibt es etwas, das hilft?
Matt Haig weiß, dass er kein Patentrezept liefern und niemanden heilen kann. Er möchte aber darauf aufmerksam machen, dass es Hoffnung gibt. Und das kann in manchen Fällen nicht nur genug, sondern überlebenswichtig sein.

Für wen ist es was?

Das Buch hat mich sehr berührt. Weil es so persönlich ist und weil es Eindrücke liefert, die zum Verständnis beitragen. Wer nie mit Depressionen oder einer Angststörung in Kontakt gekommen ist, der kann mit dem Buch höchstens aus Neugierde etwas anfangen. Empfehlen kann ich es aber jedem, der entweder in seinem Umfeld jemanden hat, der an Depressionen erkrankt ist, oder der selber damit zu kämpfen hat. Das Buch ist eine einzigartige Mischung aus Ratgeber und Roman. Stellenweise ist es allerdings schwer zu lesen, denn bevor die Hoffnung so richtig Einzug hält, muss man auch den schweren, den harten Teil des Buches lesen und „durchleben“. Wer hier besonders empfindlich ist, sollte darum vielleicht einen Bogen machen.

Insgesamt eine interessante Lektüre, die vielleicht sogar als wichtiger Meilenstein bezeichnet werden kann. Definitiv kein fröhlicher, seichter Roman, den man „mal eben“ lesen kann – dafür aber auf seine ganz eigene Weise spannend und besonders.

Das ganze wird übrigens begleitet von einer Hashtag-Kmapagne. Unter #Gründeamlebenzubleiben könnt ihr bei Twitter und Co. eure ganz persönlichen Gründe FÜR das Leben posten. Möchtet ihr mir hier auch einen in den Kommentaren verraten?

bild2

2 Comments
  • Heike
    Posted at 15:01h, 30 März Antworten

    Ein wichtiger Grund für mich, am Leben zu bleiben, ist meine jüngste Enkeltochter Melissa (5), denn sie braucht ihre Oma, da sie nur die eine hat. Immer wenn es mir schlecht geht, nehme ich ihr Foto zur Hand und das gibt mir Kraft. Mittlerweile geht es mir viel besser als vor einem Jahr, auch Dank der regelmäßigen Besuche zur Gesundheits- und Lebensberatung mit Hilfe von begleitender Kinesiologie.

    Heike

  • Ruhrstyle
    Posted at 12:01h, 15 Juni Antworten

    Mir gefällt deine Rezenssion sehr gut und ich bin auf jeden Fall an diesem Buch interessiert, da ich im Familienkreis jemanden habe, der unter Depressionen leidet.

    liebe Grüße
    Rebecca

Post A Comment