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Dominikanische Republik – mein persönlichster Reisebericht

Dominikanische Republik Reisebericht

Wenn man an die Dom. Rep. denkt, dann denkt man als Tourist meist an die kilometerlangen, weißen Sandstrände. An Palmen, Kokosnüsse und die Musik. Ein bisschen fängt auch automatisch mein Fuß an zu wippen, wenn ich an die Insel denke. Diesen Herbst war ich zum mittlerweile vierten Mal dort – und das erste mal alleine sowohl in der Karibik, als auch überhaupt im Urlaub. Genau während Hurricane Matthew über weite Teile der Dom.Rep. und vor allem des Nachbarlandes Haiti wütete.
Es war ein aufregender Urlaub, der für mich persönlich einfach super viel verändert hat. Warum die Dominikanische Republik in diesem Urlaub meine große Liebe wurde, erfahrt ihr jetzt.

Einfach weg von hier

Für mich stand schon länger im Raum, dass ich alleine in den Urlaub möchte. Irgendwo, wo es schön ist. Eigentlich war Mexiko geplant (und steht auch jetzt noch auf meiner Liste), aber weil für dort der Hurricane prognostiziert wurde (welch Ironie des Schicksals, letztendlich), wurde es die Dominikanische Republik. Das erste mal mit 6 Jahren, dann mit 11 und schließlich 2013 mit 25 war ich schon dort. Dieses Mal sollte es anders werden: Ohne Eltern, ohne konkreten Plan aber mit ganz viel Abenteuerlust und Entdeckergeist im Koffer.
Nagut, ich habe mich trotzdem in ein 5-Sterne-Hotel mit Whirlpool auf dem Zimmer eingebucht. Aber ich wollte eben nicht nur 10 Tage am Strand liegen.
Dominikanische Republik Reisebericht Mein Jetlag hat mir dieses mal tatsächlich ins Gesicht gelacht und wurde die gesamten 10 Tage über mein Begleiter. Nicht schlimm, so bin ich jeden Morgen um 6 Uhr aus dem Bett gekommen und konnte den Sonnenaufgang genießen.

Bin da. Und jetzt?

Nachdem ich genau einen Tag vor dem Hurricane ankam, war die ersten Tage meines Urlaubs nicht so viel los. Ich hatte noch Glück in Punta Cana – andere Regionen der Dom. Rep. wurden deutlich heftiger getroffen, was wir später bei einem Bootsausflug von Bayahibe aus mitbekommen haben. Die wenigen Hotels dort wurden so stark getroffen, dass tagelang die Pools gesperrt waren, weil noch Meeresfische hinausgeangelt werden mussten. Ein Steg mitsamt Hütte ist einfach im Meer verschwunden und den Gästen wurde sehr nachdrücklich ans Herz gelegt, das Hotel nicht zu verlassen. Bei uns gab es hingegen nur Regen, Regen und noch mehr Regen. Nicht gerade der Start in den Karibikurlaub, den man sich wünscht. Dafür war ich umso erleichterter, als ich für die restlichen Tage Ausflüge buchen konnte: Einmal eine Katamaranfahrt nach Saona (nie! wieder!) und einmal ein Inlandsausflug mit spannenden Insidertipps wurden es.
Bis dahin war ein wenig gedrückte Stimmung angesagt.

Hotel & Anlage

Das Bavaro Princess ist ein durchweg solides Hotel. Als Warnung allerdings: An den Wochenenden fallen die Einheimischen in Scharen dort ein und okkupieren den Swimmingpool und die Bar. Ich hab ein Wochenende miterlebt, an dem plötzlich 800 mehr Gäste da waren – allesamt laut, betrunken und zu Späßen aufgelegt. Wer lieber absolute Ruhe möchte, könnte hier ein Problem bekommen.

Mehr Fotos gibt es beim Klick aufs Bild

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Mir hat der Aufenthalt bis auf kleinere Abstriche sehr gut gefallen: Das Essen war lecker und vielseitig, der Service freundlich und meine Suite nach karibischen Standards wirklich toll. Besonders gefallen hat mir, dass es in der Mitte der Anlage einen naturbelassenen Pfad mit Mangroven und etwas Dschungel gab. Als studierte Biologin und absoluter Naturfan war das während der Regentage mein Place to be, wenn mal kurz der Wolkenbruch aufhörte.
Ein kleines Highlight und gleichzeitig die Pest waren die Animateure. Solltet ihr auf „Cappuccino“ treffen: Rennt. So hartnäckig und dreist wurde ich jedenfalls noch nie angebaggert und obwohl es irgendwie auch sehr amüsant war, fand ich es schon recht anstrengend, ihn bei meinem Discobesuch permanent davon überzeugen zu müssen, dass ich mich nicht abfüllen lassen möchte.
Die Disco ist übrigens ein ganzes Stück außerhalb der Hotelanlage obwohl sie direkt zum Bavaro Princess gehört. Es gibt einen Shuttleservice der hin und zurück fährt – was man unbedingt machen sollen, weil man sich als Tourist außerhalb der Anlagen nicht wirklich frei bewegen kann, ohne von Verkäufern belästigt zu werden. Spannend war, dass ich alleine im offenen Shuttle saß, als vor dem Casino noch ein Haufen Prostituierter mit aufsprang und sich neben mich auf die Bank quetschte. Ihr Ziel waren natürlich die älteren Herren, die sich üblicherweise sowieso auf der Suche nach Frischfleisch in die Disco begeben.

Party mit Prostituierten

So kam es also, dass rechts und links von mir wortwörtlich Schenkel an Schenkel jeweils Prostituierte saßen und sich in ihrem schnellen Spanisch plappernd unterhielten. Dabei wurden Zigaretten und Schnaps herumgereicht (immer über mich hinweg, als wäre ich gar nicht anwesend) und noch schnell der Lippenstift nachgezogen. Als den Mädels klar wurde, dass ich alleine auf dem Weg in die Disco war, in der für gewöhnlich auch viele Einheimische unterwegs sind, entwickelten sie aber doch einen gewissen Beschützerinstinkt und nahmen sich meiner an. In ihrem brüchigen Englisch erklärten sie mir, dass sie auf mich aufpassen würden – und luden mich, kaum dass wir angekommen waren, erst mal zu einem Kurzen an der Bar ein. Ein Mamajuana natürlich, wie es sich gehört. Gerade, als ich mich damit abgefunden hatte, etwas unkonventionelle, neue Freunde gefunden zu haben, waren die drei aber auch schon verschwunden – ein älterer Herr mit weißen Haaren und Sandalen mitsamt Tennissocken hatte den Raum betreten. (Ob er Deutscher war, werde ich wohl nie erfahren.) Arbeit geht nun mal vor.
Kaum stand ich also wieder alleine da, witterte Cappuccino seine Chance und rückte mir wieder auf die Pelle. Die ewigen Diskussionen leid, verabschiedete ich mich schnell und fuhr zurück zum Hotel. Dieses mal lernte ich im Shuttle noch einen Musikproduzenten aus New York kennen, der betrunken aus dem Koma schreckte und mich die restliche Fahrt über mitleidig auslachte, weil er Cappuccinos Avancen durchaus den ganzen Abend über beobachtet hatte. Nun.

Die andere Dom. Rep.

Die andere und viel authentischere Seite der Dominikanischen Republik lernte ich dann bei meinem Inlandsausflug kennen. Der Reiseführer, der selber seit 25 Jahren auf der Insel lebt, konnte uns super spannende Einblicke in die Mentalität und das Leben der Einheimischen geben. Wusstet ihr, dass Punta Cana eine eigene Stromversorgung für die Touristen auffährt und der Rest des Landes durchschnittlich mit 10 Stunden Stromausfall am Tag zu kämpfen hat?

15 14

Hättet ihr gedacht, dass es mittlerweile ein riesiges Problem mit illegalem Organhandel gibt, da in der Dom. Rep. mehr Haitianer als Dominikaner leben und kein einziger von ihnen legal gemeldet ist? Verschwindet ein haitianisches Kind, kann und will niemand etwas unternehmen.

Das Land ist auf dem Papier ein Armes. In Wirklichkeit aber verdienen die meisten Leute dort sehr gut – den Großteil nur eben schwarz. Da Geld nicht als etwas angesehen wird, was man hortet, leben die meisten Dominikaner so, dass wir sie verschwenderisch nennen würden. Sie sehen etwas das ihnen gefällt – und sie kaufen es. Nicht selten wachen die meisten von ihnen morgens auf und haben keinen einzigen Dollar mehr in der Tasche.

Dafür sind die Menschen aber auch herzlich. Die Türen stehen Familie, Freunden und auch Fremden jederzeit offen und man bekommt immer etwas zu Essen angeboten. Aus der (Stromausfall-)Not wird eine Tugend gemacht und Feste gefeiert, wie der Strom eben fällt: Egal, ob um 2 Uhr mittags, 10 Uhr vormittags oder 9 Uhr abends.

Kurzum: Ich, mit meinen wohlbehüteten, deutschen Standards, war irgendwas zwischen betroffen und berührt. Und ich habe mich ein bisschen mehr noch in dieses faszinierende, fremde Land verliebt.

Das Herz verloren

Dieser Urlaub hat mir auf mehr Weisen mein Herz geklaut, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Zehn Tage Wahnsinn und ich bin nach Hause geflogen und war ein Stückchen gewachsen. Ich habe mein Herz an an ein Land voller Gegensätze und auch an das Reisen selber verloren. Mir ist bei meiner ersten Soloreise erst so richtig klar geworden, dass es kein aufregenderes Gefühl gibt, als sich hoffnungslos zu verlieben, wann immer man kann.

Mehr Fotos aus dem Urlaub findet ihr hier und bei Instagram.

Und wann habt ihr euch zuletzt verliebt?

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5 Comments

  1. Laura 17. Januar 2017

    Ein wirklich superschöner Beitrag. Ich war selbst auch letzten Sommer in der Dominikanischen Republik und finde deinen Post daher umso interessanter, wirklich richtig toll :)
    Liebe Grüße, Laura

    Antworten
    1. Sarah 17. Januar 2017

      Oh, schön! Ich sehe gerade, dass du über Soana auch etwa geschrieben hast. Werde ich mir gleich mal direkt anschauen :)

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