Alltagsseximus im Job

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Alltagsseximus im Job

Alltags-Sexismus, das ist so ein Wort, bei dem man direkt erst mal in Abwehrhaltung geht. Sowas soll’s hier noch geben? In Deutschland? 2019? Ist das nicht bloß kleinliches Rumgeheule von Feministinnen?

Davon war ich eigentlich auch ausgegangen – aber muss leider immer wieder im Alltag (beruflich und privat) feststellen, dass das noch lange nicht der Fall ist. Deshalb diese kleine Kolumne (von der ich hoffe, dass ich sie nicht allzu regelmäßig schreiben muss).
Wofür?
Um zu sensibilisieren. Oft leben wir in alten Denkmustern, ohne dies überhaupt mit zu bekommen, ohne sie zu hinterfragen. Dabei sind diese auf allzu oft diskriminierend oder sexistisch-beleidigend. Mein Beispiel heute ist aus dem beruflichen Alltag und zeigt mal wieder, wie wenig Respekt manche Männer Ende 40, Anfang 50 vor Frauen im Beruf haben.

Arbeit oder Küche?

Dieses Beispiel stammt aus freiberuflicher Arbeit. Ich bin zu der Zeit im Marketing tätig und berate Unternehmen in Sachen Online Marketing mit Schwerpunkt Social Media. In Ausnahmefällen kann man bei mir „Full Service“ buchen: Dann konzipiere ich eine Strategie für den gesamten Social Media- und Onlineauftritt eines Unternehmens, schalte Werbeanzeigen, plane Redaktionspläne, schreibe die Beiträge, poste sie und übernehme das Beantworten von Anfragen. Im Prinzip beinhaltet dies mehrere Jobs: Redaktion, Consulting, Marketing, Community Management – um nur ein paar zu nennen. Dementsprechend kalkuliere ich natürlich einen angemessenen Preis – der aber noch immer unter dem einer vergleichbaren Agentur liegt.

Nun kam es, dass ich einen neuen Interessenten im Gespräch hatte. Für ein erstes Treffen hatte ich bereits eine Analyse seiner Online-Präsenz aufgestellt, hatte Potenziale herausgearbeitet und viel Zeit in Recherche und Vorschläge gesteckt. Er war begeistert vom Konzept und den Möglichkeiten, die ich ihm aufzeigte. Er bat mich, ihm in der folgenden Woche direkt ein Angebot zu schicken für Full Service für ein gesamtes Jahr. 12 Monate, jeden Tag mehrere Stunden Arbeit für sein Unternehmen.

Also kalkulierte ich durch, welche Aufgabe wie viel Zeit in Anspruch nehmen würde im Laufe des Jahres und erstellte eine Übersicht dazu. Neben den angebotenen Service schrieb ich die Preise dafür und am Ende des Dokumentes, wie üblich, eben den Endpreis für das gesamte Jahr.

Wofür zahle ich hier überhaupt?

Der gerade noch so begeisterte Neukunde meldete sich nie wieder bei mir. Dass noch immer so viele nicht verstanden haben, dass Social Media Marketing ein ernst zu nehmender Job ist, der auch normal vergütet gehört, ärgert mich zwar. Aber hier war seine Reaktion auf mein Angebot der eigentliche Dorn im Auge.

Denn er ließ noch über einen gemeinsamen Bekannten ausrichten:
„Sag ihr doch, dass es mich billiger kommen würde, wenn ich die Kleine ohne Ehevertrag heiraten würde.“

Diese Aussage ist auf so vielen Ebenen unverschämt, dass ich bis heute nicht so richtig weiß, wo ich da beginnen soll das zu kritisieren. Das ist eine Aussage, die mich einfach wütend gemacht hat. Nicht nur wird meine Arbeit nicht angemessen anerkannt, sondern auch einfach ich als professioneller Dienstleister auf mein Geschlecht reduziert. Was hat denn meine Arbeit mit der Ehe zu tun? Meint er, dass man „das bisschen Social Media“ mal eben neben dem „bisschen Haushalt“ erledigen kann? Dass ich als Frau nicht die marktüblichen Preise verlangen sollte weil meine Arbeit nicht genug wert ist, dass es sich lohnt mich zu engagieren? Dass niemand einer Frau so viel zahlen würde, wenn er sie stattdessen auch heiraten kann? Bzw. dass eine Frau sich nicht die Mühe machen sollte sich beruflich vergleichbar aufzustellen, wenn sie stattdessen doch auf Männerfang gehen könnte? Dass sie im Vergleich zu den Angeboten eines Mannes aus dem gleichen Berufsfeld sowieso verliert?

sexismus-im-jobAlltagssexismus im Beruf

Ich erkenne beim besten Willen aus keiner Perspektive einen Zusammenhang zwischen meiner Arbeitsleistung und einer Ehe. Und ich bezweifle auch, dass der besagte Mann eine so herablassende Antwort gegenüber einem anderen Mann geäußert hätte.

Auf den ersten Blick mag der Spruch also lustig klingen. Oder charmant-männlich anmuten. Man kann sich ja regelrecht vorstellen, wie er das schmunzelnd gesagt hat. Macht es das weniger schlimm? Nein. Denn auch wenn es als Scherz verpackt war, hat es doch genau sein Frauenbild wiedergegeben.

Kennt ihr auch Beispiele aus eurem (Berufs-)Alltag, wo ihr auf Sexismus gestoßen seid? Schreibt mir gerne hier in die Kommentare oder per Mail eure Erfahrungen – ich kann anonym berichten und mit der Aktion hoffentlich ein wenig für die Thematik sensibilisieren.

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Photo by rawpixel on Unsplash
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