Selbstbewusstsein lernen

SelbstBewusstsein oder Selbstbewusstsein?

Wir benutzen das Wort oft so selbstverständlich. „Du hast ja kein Selbstbewusstsein“ oder „Deren Selbstbewusstsein möchte ich einmal haben“. Es gibt auch unzählige Webinare, Bücher und sogar MP3s* zum Thema. Dabei verwechseln wir oft Sicherheit und Arroganz mit wahrem Selbstbewusstsein.

Tatsächlich kann das Wort durch eine kleinen Änderung der Betonung schon eine ganz eindeutige, selbsterklärende Bedeutung bekommen: Das Bewusstsein für sich selbst. Menschen, die wir als selbstsicher bezeichnen, müssen dies gar nicht immer sein. Frei nach dem Motto „sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ treten uns jeden Tag Menschen entgegen, die eigentlich zutiefst unsicher und emotional gesehen kleine, tickende Zeitbomben sind. Dabei wirken sie absolut stark, lustig oder unerschütterlich.

Der Grund dafür ist der, dass sie kein wirkliches Selbstbewusstsein haben, sondern eher das, was wir allgemein in der Gesellschaft als Selbstbewusstsein gelernt haben.

Was also ist Selbstbewusstsein wirklich?

Zu wissen, wie man selber eigentlich tickt. Wer sich gut kennt, wer seine Vorlieben, Abneigungen, Ängste und die Grenzen seiner Komfortzone kennt, der hat wahres Selbstbewusstsein. Und das Schöne daran ist: Wenn man dies auch noch akzeptiert, dann hat man sogar das, was auch die Allgemeinheit als Selbstbewusstsein interpretiert – dann kann man nämlich stressfrei einfach man selbst sein und gibt nichts mehr um die Meinung anderer.

Auch bei mir hat es recht lange gedauert, bis ich dies verstanden habe. Ich hatte nie ein besonders großes Selbstbewusstsein. Weder im einen, noch im anderen Sinne. War sehr zurückhaltend bei Fremden, fand es schwierig Gespräche am Laufen zu halten und habe bei fast allem, was ich tat, auf eine Bewertung von außerhalb gewartet. Mir war eigentlich selber nicht klar, warum ich mich so verhielt, wie ich es tat. Deshalb empfand ich es oft als falsch, wenn ich nach mehreren Stunden Gesellschaft eigentlich das Gefühl hatte, wieder meine Ruhe haben zu wollen. Ein Kreislauf, der das Selbstbewusstsein weiter schwächt: Man sucht die Bewertung von Außen, vergleicht sich mit anderen, sieht einen Unterschied und fühlt sich deshalb schlecht.

 

Selbst-Bewusst werden

Daher ist es so unglaublich wichtig, dass man sich selber kennenlernt. Zugegeben ist das nicht ganz einfach, wenn man umgeben ist von Medien, die einem den eigenen Vergleich mit anderen aufzwingen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Menschen, die regelmäßig Facebook nutzen oft unzufriedener sind als jene, die es nicht tun? Das hängt damit zusammen, dass man permanent mit dem Leben anderer „belästigt“ wird. Wir sehen den tollen Urlaub, das neue Auto, die neue Beziehung oder den freien Tag der anderen und vergleichen dies sofort mit uns – wie wir gerade genervt, gelangweilt oder vollkommen unspektakulär unserem Alltag nachgehen. Wir vergleichen uns permanent und verlieren dabei ganz oft aus den Augen, dass der Blick nach Außen so viel unwichtiger ist, als der Blick nach innen.

Man kann verstehen lernen. Ich zum Beispiel bin einfach so genervt und ausgebrannt wenn ich lange Zeit mit Menschen verbringe, weil ich introvertiert und zudem noch hochsensibel bin. Okay, ist dann eben so. Wenn man Hintergründe versteht, dann muss man auch nicht mehr gegen sie angehen. Diese erste Selbst-Erkenntnis öffnet das Tor für einen ganz großen Schritt zum Selbstbewusstsein.

Der nächste Schritt ist einfach: es akzeptieren. Warum auch sollte sich ein Fisch mit einem Vogel vergleichen? Wenn ich auf einer Party merke, dass ich genug habe, ärgere ich mich darüber nicht mehr. Ich stehe auf, verabschiede mich und gehe nach Hause. Ohne das frühere „ohje, wie kannst du nur so ein blöder Spaßverderber sein?“ und die Vorwürfe an mich selber. Denn die Antwort kenne ich ja schon: Weil ich introvertiert bin. Ganz einfach.

Selbst-Bewusst macht selbstbewusst

Und schon haben wir das große Problem gelöst, das viele Menschen mit ihrem „Selbstbewusstsein“ haben. Akzeptieren heißt übrigens nicht, dass man nicht weiter an sich arbeitet und nicht immer und immer wieder aus seiner Komfortzone heraus gehen soll. Aber es gibt einem die Sicherheit, die man braucht, um dies tun zu können.

Selbstbewusstsein kann man lernen. Es ist nichts, was von den Erfahrungen, die man früher gemacht hat, abhängt. Auch ist es nicht von Geburt an da. Es hat nichts mit deinem Charakter oder deinen Freunden zu tun. Selbstbewusstsein entsteht, wenn man sich selber versteht.

Würdest du dich als selbstbewusst bezeichnen?

*Dieser Beitrag enthält Affiliate Links.

More about Sarah

One thought on “Selbstbewusstsein lernen

  1. L♥ebe was ist

    ein ganz großartiger Beitrag meine Liebe!
    ich kann dir nur absolut recht geben, dass man v.a. durch den Mehrkanal-Ton von Social Media neigt ganz und gar nicht selbstbewusst zu sein … ein klassisches Beispiel für mich ist da Instagram! ständig siehst du diese perfekt platzierten Fotos. kein Wunder, dass man da eher an Selbstbewusstsein einbüßt.
    persönlich gehe ich deshalb auch immer öfter mal off von Socialen Medien … die Zeiten, in denen ich täglich mehrmals auf Insta rumschwirrte sind vorbei 😉 und meinem Selbstbewusstsein geht’s definitiv besser!

    wünsch dir noch einen tollen Sonntag,
    ❤ Tina von Liebe was ist
    Liebe was ist auf Instagram

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.