Perspektivwechsel – Oder: Wie ich plötzlich Model wurde

Perspektivwechsel – Oder: Wie ich plötzlich Model wurde

Wir Leben in einem Jahrzehnt, in dem wir nur noch sehen, was wir sehen wollen. Da erkennen rechtsextreme Norweger in leeren Bussitzen Burkas, da zeigt die Facebook-Filterblase uns nur noch an, was wir eh schon denken/fühlen/hören wollen. Unsere Perspektive ist bedenklich geschrumpft – und das nicht nur online.

Irgendwann hat man seinen Filter

Das kommt auch mit den Jahren mal mehr, mal weniger offensichtlich, von ganz alleine. Man hat Meinungen entwickelt, Ansichten angenommen und bleibt eben in diesen – in seiner Komfortzone – gerne hocken. Das Problem dabei: So wird das Leben ziemlich öde, weil man nur noch das sieht, was man eh schon kennt. Das hindert uns daran coolen scheiß zu erleben, füttert nur weiter unsere (unbegründeten) Ängste und verhindert auch, dass wir vorwärts kommen.

Deshalb fallen Frauen immer wieder auf die gleichen Männertypen rein. Deshalb klappt es einfach nicht mit der Beförderung. Deshalb warten wir vergebens auf die eine, fabelhafte Idee, die uns weiter bringt. Man muss die Perspektive wechseln.

Wortwörtlich und im übertragenden Sinne.

Wörtlicher Perspektivwechsel – der Ort

Kommt mal raus! Raus aus der Wohnung, raus aus der Komfortzone. Ab ins Abenteuer.

Das kann ein Urlaub sein, ein spontaner Roadtrip oder ein Wochenendausflug. Vielleicht nur einen Flug buchen und erst vor Ort schauen, wo man unterkommt und wo man genau hin will (das ist für die ganz Mutigen). Oder der spontanen Eingebung folgen und einen Urlaub buchen, der einem gerade in den Sinn kommt (das habe ich gerade gemacht).

Es gilt eigentlich: Je unbekannter das Ziel, desto mehr werdet ihr dazu lernen. Auch – oder vor allem – über euch selber. Fremde Umgebungen und Kulturen bereichern uns, weil sie uns dazu zwingen, unseren Horizont zu erweitern. Denn seien wir ehrlich: Beim ersten Urlaub in der Ferne kann man entweder mit Entdeckerfreude das neue Land und die Kultur erleben, oder sich selber den Urlaub vermiesen, indem man das Hotel nicht verlässt und in seiner Blase bleibt. Zweiteres ist sehr viel Geld für kein bisschen Wert.

Als Tipp: Wenn ein Urlaub gerade mal nicht drin ist, kann man auch in seinen Alltag neue Perspektiven einbauen. Mal ein Gericht aus einer fremden Küche (Aisatisch, Orientalisch,…) selber kochen (oder für Faule: Essen gehen), eine neue Aktivität ausprobieren (Fitnessstudio, Escape Room Game, Museum,…).

perspektivwechsel

 

Wörtlicher Perspektivwechsel Nummer 2

Noch günstiger wird der Perspektivwechsel, wenn man tatsächlich seine Sichtweise verändert.

Als Beispiel: ich bin ein introvertierter, schüchterner Mensch. Dementsprechend gehöre ich zu der Sorte Mensch, die generell beim Laufen auf den Boden schauen. Ist zwar praktisch (ich trete niemals in Hundekacke! Wenn Geld auf der Straße liegt, finde ich es!), aber beschränkt tatsächlich wörtlich die Sicht auf die Welt. Ich seh ja immer nur von meiner Nasenspitze bis zum Asphalt. Als mir das klar geworden ist, habe ich bewusst versucht beim Laufen ab jetzt gerade nach vorne zu schauen. Das. War. So. Schwierig! Spätestens nach 2 Sekunden hatte mein Kopf das Bedürfnis, einfach wieder nach unten zu klappen. Hallo Bordstein, alter Freund. Zack, musste ich meinen Kopf wieder bewusst anheben. Das war genau zwei Tage lang anstrengend und ungewohnt, dann passiert etwas ganz bemerkenswertes: ich habe das erste Mal gemerkt, dass da um mich herum so wahnsinnig viel Raum ist. Klar, meine Sicht ging ja nicht mehr nur von Nase bis Boden, sondern von Nase bis… wo auch immer der Horizont durch ein Haus verbaut war.

Das war ein absoluter Aha!-Moment und wenn man räumlich viel Platz hat, fällt definitiv auch das Weiterdenken leichter. Neue Perspektive, neue Ideen.

Für alle nicht-auf-den-Boden-Gucker: Wie wäre es damit, den Ausblick von einer Skylounge zu genießen oder sich zu Hause beim Essen mal auf den Boden zu setzen?

Mentaler Perspektivwechsel

Das ist sicherlich einer der spannendsten. Denn er setzt voraus, dass wir ganz bewusst „in den Schuhen eines anderen“ laufen. Als Fotografin stehe ich generell hinter der Kamera. Wenn ich für meinen Blog mal Bilder mache, dann höchstens mit Selbstauslöser von mir selber. Das heißt ich bin die Perspektive gewöhnt, dass ich Anweisungen gebe und darauf achte, wie andere sich in Szene setzen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Warum also nicht mal auf die andere Seite wechseln und etwas darüber lernen, wie es sich anfühlt, vor der Linse zu sein? Anweisungen bekommen und mich selber und meinen Körper bewusster wahrnehmen, um zu verstehen, wie die Wirkung nach außen funktioniert. Gesagt, getan. Die liebe Tanja hat mich in Köln zu einem Fotoshoot eingeladen – zwei der Resultate könnt ihr schon hier im Beitrag sehen, der Rest folgt sicherlich auf Instagram.

Spannend war das übrigens. Und auch anstrengend. Aber ich habe was gelernt und meinen Muskelkater von der ganzen Körperspannung auch überwunden.

 

Meine Frage an dich: Mit wem würdest DU einmal die Plätze tauschen?

 

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13 thoughts on “Perspektivwechsel – Oder: Wie ich plötzlich Model wurde

  1. L♥ebe was ist

    meine liebe Sarah, da steckt wirklich ein Model in dir 🙂
    ich finde die Fotos sind so schön geworden und irgendwie sehe ich da auch genau diesen Moment des Herauskommes.
    Perspektivenwechsel finde ich im Allgemeinen sehr wichtig und auch immer wieder spannend.
    ich versuche immer wieder neues zu entdecken, gerade im Alltag – denn er ist ja schon eintönig genug.
    und wenn es um die Fragen nach dem Platztausch geht: ich glaube ich würde schon auch mal gerne hinter der Kamera stehen! ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Menschen die Welt auf eine Weise wahrnehmen können, genau zu wissen, was durch die Linse gut aussieht und was nicht.

    hab eine wundervolle Woche,
    ❤ Tina von Liebe was ist
    Liebe was ist auf Instagram

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    1. Sarah

      Ach danke dir, das sind liebe Worte <3

      Und ich stimme dir vollkommen zu: Perspektivwechsel sind gerade im Alltag toll. Man muss ja nicht jeden Tag gleich verbringen und sich dann hinterher beschweren, dass alles so öde ist. Schon mit ein paar kleinen Änderungen ist direkt der ganz normale Tag viel spannender. 🙂

      Na wenn du magst, kannst du gern mal durch meine Kamera linsen 😀

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  2. Yvonne

    Klasse Post und ich finde es super, dass du mal auf der anderen Seite der Kamera stands, denn die Bilder können sich definitv sehen lassen!
    Ich denke es ist so verdammt wichtig über seinen Schatten zu springen und seine Komfortzone zu verlassen! Ich bringe mich, seit ich das Reisen angefangen habe, immer wieder in solche Situationen und sie geben mir nicht nur einen ‚Kick‘, sondern endlich erlebt man mal was. Und meistens sind es solche Momente, wo man über sich selbst hinauswächst, die einem in Erinnerung bleiben.

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    1. Sarah

      Oh ja, auf Reisen klappt das mit dem Verlassen der Komfortzone prima – das ist immer eine gute Gelegenheit. Was hast du denn schon gemacht? 🙂 Ich war letztes Jahr das erste mal ganz alleine im Urlaub auf einer Fernreise. Das war auch schon eine kleine Herausforderung, hat aber letztendlich super geklappt.

      Liebe Grüße

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  3. Chris

    Ich habe ja schon immer gesagt, dass Du Dich als Modell einfach verdammt (pun intended) gut eignest! 🙂 Tolle Bilder und sehr sexy. Mach weiter so! 🙂
    Liebe Grüße!
    Chris(thulhu)

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    1. Sarah

      Hast du 😀 Aber so richtig Model bin ich einfach nicht. Ich glaube, da gibt es talentiertere und geeignetere für. 😉

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  4. Héloise

    Toller Text und wunderschöne Fotos! Das kann man dir schwer abnehmen, dass du das hier zum ersten Mal machst, sieht direkt schon sehr professionell aus! Mir geht es andersrum, ich würde gerne mal mit meiner Fotografin tauschen und ein paar Leute vor meine Kamera zerren, anstatt immer selbst fotografiert zu werden =)
    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

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    1. Sarah

      Danke dir! Also ich fotografiere mich ja selber ab und zu und habe durch Youtube ein wenig Erfahrung vor der Kamera – ich glaube, das macht viel aus. Aber so war es doch noch einmal etwas völlig Neues für mich. 🙂
      Na klar, probier das doch mal aus! Ist auf jeden Fall einer Erfahrung wert und fotografieren macht wahnsinnig viel Spaß.

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  5. Sarah

    Ein super spannender Post! Finde ich toll, wie du das alles beschreibst 🙂
    Und die Bilder sind echt der Hammer! Richtig richtig hübsch!

    Liebst, Sarah von Belle Mélange

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    1. Sarah

      Danke für deine lieben Worte, Sarah! <3 Vielleicht traue ich mich ja dann mal öfter vor die Kamera 🙂

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  6. Tina

    Sehr cooler Beitrag und ein tolles Thema. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, mit wem ich die Plätze tauschen wollen würde, weil es für mich eh fast so ist, als würde ich drei verschiedene Leben führen 😉 Je nach Beruf bzw. Projekt, dann pendle ich auch mehrmals pro Woche zwischen Wiener Großstadt und Bauerndorf. Auf den ersten Blick mag mein Leben für manche etwas langweilig wirken, aber eigentlich ist kein Tag auch nur annähernd so wie der davor 🙂

    Ich mag es Dinge und auch Landschaften aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

    Würde ich aber etwas länger darüber nachdenken, mit wem ich gerne mal kurz die Plätze tauschen würde, dann würden mir bestimmt welche einfallen 🙂

    Und übrigens, dein Badeanzug sieht Hammer aus <3

    LG, Tina

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  7. Daria

    Ich finde es ist immer wichtig zu versuchen aus sich ein wenig rauszukommen, nur so kommt man weiter. Mir fielen viele Sachen auch nicht leicht und Einiges fällt immr noch nicht leicht. Doch ich bin sehr froh, dass ich so Vieles um mich herum verändert habe. Das hat mich zum stärkeren Menschen gemacht. Aus dem Grund würde ich mit keiner anderen Person die Plätze tauschen.

    Hab ein schönes Wochenende!

    Daria

    http://www.dbkstylez.com

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  8. Sandra | Zart wie Federblümchen

    Guten Abend,
    ein total toller Artikel, den ich gerne gelesen habe.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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