Ende einer Trilogie: Mockingjay

Nachdem ich nun „Mockingjay“ auch gelesen habe, musste ich lange überlegen ob ich eine Rezension dazu verfassen möchte. Obwohl mein erster Impuls ein klares „nein“ war, muss ich aber dennoch etwas dazu schreiben. Diesmal also keine richtige Rezension (die kommt vielleicht nachdem ich im Januar den 3. Teil auf Deutsch gelesen habe – denn bis jetzt habe ich immer nur die Übersetzungen rezensiert), sondern eher ein ausführliches Kundgeben meiner Meinung. Ich habe es so spoilerfrei wie möglich gehalten, wer aber lieber noch nichts über den Schwerpunkt des Buches wissen möchte, sollte hier nicht weiterlesen.


Das Mädchen, das in Flammen steht, sieht auch ihre Welt plötzlich in Flammen: Die Rebellen haben dem Kapitol offen den Krieg erklärt. Und die Distrikte brennen.

Nachdem Katniss aus der Arena der Hungerspiele gerettet wurde während ihr Freund Peeta in den Fängen des Kapitols verbleibt, muss sie sich entscheiden: will sie die Anführerin der Rebellion, der Spotttölpel, für die Bevölkerung Panems sein?
In den unterirdischen Gebäuden des lange verloren geglaubten Distrikts 13 jedenfalls entsteht eine Bewegung, die voller Hass und Entschlossenheit gegen die Diktatur in der Hauptstadt vorgehen will. Und was als ein Kampf um Gerechtigkeit begann, wird immer mehr zu einem Machtkampf, in dem ein einzelnes Leben nicht viel zählt…

An das Finale der Panem-Trilogie bin ich von Anfang an mit gemischten Gefühlen herangegangen weil ich vorher bereits von vielen enttäuschten Lesern gehört habe. Nachdem ich allerdings erst einmal das Buch aufgeschlagen hatte, war kein Halten mehr und ich musste es in einem Rutsch durchlesen.
Hat mich der erste Band („Tödliche Spiele“) noch nicht überzeugt gehabt, tat es die Fortsetzung („Gefährliche Liebe“) dafür umso mehr. Mittlerweile ich die Reihe ganz klar seinen Kinderschuhen im Genre Jugendbuch entwachsen und mit der Zeit gereift. Die Charaktere gewinnen an Stärke über die Erfahrungen die sie machen – und verlieren schließlich alles. Es ist fesselnd wie realistisch Suzanne Collins es schafft die Schrecken der post-apokalyptischen Gesellschaft zu zeichnen und auch die lieb gewonnenen Personen dabei nicht schont. Begegnen wir Katniss in den vorangehenden Bänden noch als eine starke, wilde Persönlichkeit, so muss sie sich nun mit Fragen der Moral auseinander setzen und wird durch alle traumatischen Erlebnisse geprägt, die sie beinahe aufgeben lassen. Sowohl Peeta als auch Gale treffen wir in den Kriegswirren wieder und müssen erschrocken feststellen, dass sie sich ebenfalls verändert haben. Tod, Folter und der Kampf um Gerechtigkeit lässt sie sich in vollkommen unterschiedliche Richtungen weiter entwickeln.

Letztendlich liegt der Fokus von „Mockingjay“ auf dem Krieg. „Gut“ und „Böse“ verschwimmen zu einer grauen Masse und Beweggründe werden hinterfragt. Es ist ein blutiger Kampf, ein Kampf mit vielen schmerzhaften Verlusten und beim Lesen beschleicht einen – ähnlich wie die Charaktere es empfinden – ein Gefühl der Hoffnungs- und Sinnlosigkeit.

Wenn man das Buch beendet hat, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Ich kann verstehen, dass viele Fans mit dem Ausgang der Geschichte aus verschiedenen Gründen nicht zufrieden sind – aber das war wohl auch nicht die Intention der Autorin. Es muss bitter sein, es muss schmerzen… und es muss das Gefühl zurück bleiben, dass man hier schon lange kein Jugendbuch mehr in der Hand hält, sondern ein Buch, das uns ganz deutlich auf Leid und Trauer, Gerechtigkeit, den ewigen Kampf um Macht und was dies für einzelne Betroffene bedeutet, hinweist.

Ich bin jedenfalls beeindruckt davon, wie drastisch Suzanne Collins ihre Charaktere dem Krieg überlässt und dabei schafft eine 457 Seiten andauernde, atemberaubende Erzählung vorzulegen. Die Sprache, derer sie sich dabei bedient, ist so bildhaft und intensiv wie in keinem der vorherigen Bände. Schon allein der Satz „If we burn, you burn with us“ ist so stark, dass man einen dicken Kloß im Hals spürt. Es entstehen unweigerlich düstere Bilder vor den Augen des Lesers, die einen in die Geschichte wie ein schwarzes Loch absorbieren und nicht mehr loslassen wollen.

Die Trilogie ist mehr als nur lesenswert – ohne jeden Zweifel!

Bewertung:


Info zur Reihe:
Band 1: Tödliche Spiele (original: The Hunger Games)
Band 2: Gefährliche Liebe (original: Catching Fire)
Band 3: Flammender Zorn (original: Mockingjay) erscheint im Januar 2011 beim Oetinger Verlag

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4 thoughts on “Ende einer Trilogie: Mockingjay

  1. Stephie

    Ich freue mich ja schon so auf das Buch!

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  2. Sarah

    Kannst du auch, das Warten lohnt sich bestimmt! Ich werds auch noch mal auf deutsch lesen wenn es im Januar rauskommt 🙂

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  3. Miss Bookiverse

    Also ich fand Mockingjay auch eher enttäuschend. Was mir gefallen hat, schreibst du oben auch, die Entwicklung der Charaktere war interessant mit anzusehen, wie Katniss in eine Art Trauma verfällt und wie kaputt sie die Geschehnisse der letzten 2 Bände gemacht haben.
    Gegen das Ende hab ich eigentlich auch gar nicht so viel, obwoh ich es blöd fand, dass sie Kinder bekommen hat. Sie war doch irgendwie nie die Person, die welche wollte. Ansonsten fand ich die Handlung einfach zu „unspektakulär“ bzw. schlecht erzählt. Man hat viele der spannenden Ereignisse nur so aus 2. Hand erzählt bekommen und konnte sie nicht hautnah miterleben wie in den anderen Bänden. Sprachlich war ich auch ein wenig enttäuscht, denn gerade bei den Sterbeszenen war die Sprache so ungenau und verwirrend, dass ich meistens nicht wusste, ob die Person jetzt tot ist oder nicht.

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  4. Sarah

    @Miss Bookiverse: ich fand erstaunlicherweise genau diesen Band sprachlich toll! Aber ich kann eigentlich auch nichts zu den anderen beiden Bänden sagen, weil ich davon bis jetzt „nur“ die deutsche Übersetzung gelesen habe. Vielleicht würde mir auch eine Verschelchterung auffallen, wenn ich Band 1 & 2 vorher auf Englisch gelesen hätte. Soll natürlich nicht heißen, dass die Übersetzungen schlecht sind… nur eben hatte ich bei dem Original jetzt das Gefühl die Rebellion und alle Emotionen drum herum intensiver mitbekommen zu können.
    Vermutlich ist das einfach alles Geschmackssache ^^

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